Ich bin, weil Du bist – Ubuntu

Mein globaler Alltag – Kolumne
Petra Sorge dos Santos

Vor kurzem ging eine wissenschaftliche Sensation durch die Presse. Bei aufwendiger Überprüfung der Einsteinschen Relativitätstheorie wurde herausgefunden: Realität existiert erst, wenn sie wahrgenommen wird.
Mich hat der Gedanke der Interdependenz nicht so überrascht und sofort erinnert. In Afrika ist das ein altes Wissen: “Ich bin, weil du bist”. Ubuntu.

Mit diesem Leitwort seines Schirmherrn aus Burkina Faso ging vor kurzem auch das 4. Filmfest “Augenblicke Afrika” in Hamburg zu Ende. Für mich wurde es zu einer gleich mehrfachen Erfahrung in Ubuntu.

Afrikas Sterne sind Sonnen
affiche_soleilsZuvörderst hat es mir ermöglicht, den Filmemacher Dani Kouyaté kennenzulernen. In seinem wunderbaren Film “Soleils” spricht er im Plural über das uns regierende Himmelsgestirn. Die Sonnen sind für den Nachkommen einer Dynastie von Geschichte(n)Erzählern das, was bei uns Sterne wie auch ‘Stars’ sind. Die Sonnen Afrikas – Afrikaner, die in ihrer Zeit leuchtende Vorbilder waren, an Weisheit, Menschlichkeit und politischer Klugheit. Von König Sundjata Keita  bis zu Nelson Mandela.
Auf der Suche nach Identität besucht seine zeitreisende Protagonistin auch die europäischen ‘Sonnen’ Hegel und Voltaire. Gerade als diese  europäischen Philosophen sich in Vorurteilen verfingen und, wie wir wissen, diese für die Nachwelt für immer perpetuierten. Zu diesem Zeitpunkt also, waren, was kaum einer weiß, die ersten  universellen Menschenrechte  im Mande-Reich schon seit fünf Jahrhunderten deklariert. Es gibt also viel zu lernen.

Ubuntu ist multidimensional
Das Gespräch mit dem modernen Griot Dani Kouayte war eine Fundgrube an Erleuchtung über menschliche Interdependenz, Führung und Kooperation. Merci.
Ebenfalls danken möchte ich den Machern dieses Festivals. Ohne sie hätte ich diese Erfahrung nicht gemacht. Ubuntu

Apropos Macher, Ubuntu hat viele Dimensionen. Der deutsche Initiator des Filmfests hatte früher schon mit Afrika zu tun. Als solcher war er mir bereits vor über einem Jahrzehnt aufgefallen.  Damals lud ich ihn zu meinem Radio Triangula ein, wir hörten und sprachen über westafrikanische Musik. Und kurz danach fand die Weltmusikmesse WOMEX 2004 in Essen statt, zu der ich ihm via Radio Triangula Eintritt verschaffte. Als damals noch angehender Videofilmer westafrikanischer Musik machte er dort seine ersten Filmkontakte.  “Du bist, weil ich bin”. Diese Geschichte hätte ich fast schon vergessen, wenn ich nicht 1x jährlich einen Brief der WOMEX  auf seinen Namen in meiner Post fände… Ubuntu ist reziprok, multidimensional.

Ubuntu in Führung
Und weil Ubuntu viele Facetten hat, sollte jeder, der mit Afrika zu tun hat oder haben möchte, sich mit dieser Philosophie vertraut machen:
Ubuntu3lang
Für Führungskräfte würde diese Fähigkeit, diese Haltung  auch im individuell geprägten Deutschland so manches Problem beim Zusammenarbeiten lösen.
Auch als Land stünde uns diese (An)Erkenntnis  gerade jetzt in Zeiten konflikthafter  Globalisierung gut an: Wir sind, weil ihr seid.

Mehr über Kulturstandards und Praxis in Afrika sowie über deutsch-afrikanische Kooperationen für die Geschäftswelt hier bei CL!C.

Das Interview mit Dani Kouyaté hören Sie bei Radio Triangula Nov 15. Stay tuned.

PS: Als Goodie hier der Trailer zu dem zitierten Film Soleils

 

 

 

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