Afrikanische UnternehmerInnen – mit Power in den deutschen Markt

The Night of African Entrepreneurs am 17.Sep 2016 in Hamburg

Events zu afrikanischem Business  waren in Hamburg traditionell weiße Veranstaltungen. Ausser den Wirtschaftsvertretern der verschiedensten afrikanischen Länder saßen früher ab und zu mal afrikanische Studenten im Saal der ehrwürdigen Handelskammer zu Hamburg. Stumm in der zweiten Reihe.
Doch schon in den letzten Jahren war der Trend zu sehen, immer mehr afrikanische Einzelunternehmer wie auch afrodeutsche Mitarbeiter internationaler Unternehmen mit Business in Afrika brachten Vielfalt in das hanseatische Publikum.

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Lichthof –  Claudia Voß AV + Miranda Oben  – Keynote Dr.Yves Ekoué Amaízo – women power – Yolander James

Jetzt standen sie selbst im Mittelpunkt. Auf Initiative des Lokalpolitikers Clement Klutse (Initiative Einwanderer Unternehmener) hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit dem Afrika-Verein zu “The Night of African Entrepreneurs”  geladen. Gut besucht von TeilnehmerInnen der verschiedenen afrikanischen Diasporas waren wir weißen Hamburger diesmal in der Minderheit.
Der Keynote Vortrag zum an sich interessanten Thema Zyklische Migration kam von Dr.Yves Ekoué Amaízo. Doch seine temporeiche Präsentation unendlich vieler Daten verlangte dem Publikum einiges ab. Da möchte frau eine afrikanische Weisheit bemühen “Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.”

Multitalentierte Businessfrauen

Dass dennoche ein frischer unternehmerischer Spirit durch  den Lichthof der Stabi wehte, war in erster Linie den Frauen zu verdanken. Sie verkörperten das, was in Deutschland wenig bekannt ist, die traditionelle Geschäftstüchtigkeit afrikanischer Frauen.

Miranda Open IT Ingenieurin, Moderatorin, Filmemacherin
Miranda Oben
IT Ingenieurin, Moderatorin, Filmemacherin

Den Auftakt machte Multitalent Miranda Oben.  Die IT Ingenieurin hat  ihre Leidenschaft nebenbei zum zweiten Standbein ausgebaut: Veranstaltungen moderieren, on und off media. In der Entrepreneurnacht stellte sie ihr Herzensprojekt vor: Ihren Dokumentarfilm “The Returnees”. Darin interviewt Miranda Oben KamerunerInnen, die aus ganz Europa in ihre Heimat zurück gekehrt sind und dort erfolgreich Business machen.

Theresa Franz GF Intertranslation, Curly Chocolate, African Translation
Theresa Franz
GF Intertranslation GmbH, Curly Chocolate GmbH, African Translation GmbH

Unübertroffen der Vortrag von Theresa Franz. Die sprachenbegabte Geschäftsführerin von Intertranslations erzählte ohne Powerpoint von ihrem Lebenslauf als Unternehmerin. Wir lernten nicht nur, wie die Nigerianerin Umsatzmillionärin wurde, über 10 Arbeitsplätze geschaffen und einem großen Netz afrikanischer Freelancer Aufträge verschafft hat –  auch erfuhren wir etwas über die Kunst, im richtigen Moment Ja zu sagen. Denn ihr Geschäftserfolg startete mit einer kleinen Anfrage: Yoruba vor Gericht übersetzen.

Dr. Rosalyn Dressman African TIDE Union e.V.
Dr. Rosalyn Dressman
African TIDE Union e.V.

Als Dritte im Bunde der multiaktiven Frauen sprach Dr. Rosalyn Dressman von African TIDE Union über ein deutsch-afrikanisches Kooperationsprojekt. Zusammen mit der FHS Südwestfalen organisiert sie im Bereich Recyclingtechnologien Train-the-Trainer in Ghana und Nigeria .  Als Consultant weiß die NGO-Aktivistin, Politik und Businesswelt zusammenzubringen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die erfrischende Moderation von Claudia Voß, der Pressesprecherin des Afrika-Vereins.
Insgesamt erfreut stelle ich fest: es bewegt sich einiges in der deutsch-afrikanischen Businesswelt. Die deutschen Player öffnen sich und die afrikanische Diaspora wartet mit viel Engagement, neuen Geschäftsideen und vor allem neuem Selbstbewußtsein auf.

Elizabeth Bosse und Petra Sorge dos Santos
Elizabeth Bosse und Petra Sorge dos Santos

Petra Sorge dos Santos
Initiatorin von I WiLL – International Women in Leadership Learning

Dieser Beitrag ist on air zu hören am 24.9. um 16h auf Radio Triangula

Frauen rockten die Solutions – schon 2015

Rückblick auf die #shh15

Die IT-Messe solutions hatte nach Hamburg geladen und viele, viele sind gekommen. Entgegen der Vorannahmen über die Männerdomäne IT war das Bild bunt, besonders am Mittelstandstag waren viele Frauen dabei.  Auch auf den Bühnen hatten sie was zu sagen. Und nicht nur das: sie hatten viele wegweisende Solutions. Hier drei Eindrücke.

Best Practices im digitalen Business

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Heidrun Köhlert – Inken Arntzen – Ivana Tzschoppe

Den Start machte Inken Arntzen von den Digital Media Women, die sich explizit die Sichtbarkeit von Frauen und ihrer Kompetenz in der ICT Branche zum Ziel gesetzt haben. Die gelernte Marketingfrau machte uns unterhaltsam schlau in einer der aktuellen Königsdisziplinen: dem Networking.

Medienfachfrau Heidrun Köhlert führte uns ein in die Youtubisierung  der Businesswelt. Nicht unreflektiert auf den Hype aufspringen, heißt ihr Tipp. An einem Beispiel aus dem Mittelstand zeigte sie,  dass es gar nicht die aufwendigen Schauspielerproduktionen sein müssen. Authentizität ist das Stichwort, mit dem Chef und Mitarbeiter im Film gut rüberkommen können.

Nach den beiden Hamburger Entrepreneurinnen hat mich eine kompetente Dame aus der Corporate World überzeugt. Ivana Tzschoppe bringt die Schweizer Bahn mit Startups zusammen. Und stellte uns die Fallstricke dieser Kooperation zwischen Groß und Klein an einem charmanten Pilotprojekt vor:
Lebensmittel digital bestellen und 30 min später am Bahnhof abholen. Die pfiffige Idee, bei der sich innovative IT-Kompetenz mit großer Logistikerfahrung paart, gibt es inzwischen regulär. Der SBB Speedy Shop

Und abends? You rock!

Und am Freitagabend beeindruckte Veranstalter silpion nicht nur mit vielen kulinarischen Köstlichkeiten, dem Schminkstand für Damen und Herren  sowie  cooler Plauder- und Partyathmosphäre. Den Höhepunkt des legendären Silpion-Fests machte die hauseigene Band. Die Mitarbeiter ließen es richtig rocken. Allen voran wieder eine Frau:  Business Development-Strategin und Sängerin Birgit Knapp.silpion-Fest: Partytimesilpion-Fest: Partytime

Und jetzt gibt’s schon die neue solutions. Mal sehen, womit Frauen 2016 aufwarten.  #shh16

Petra Sorge dos Santos

The Sound of Heimat

Heimatgesang
Es war unterm Kastanienbaum auf einem Schulhof in Köln, als unser Klassenlehrer seine 2a -und damit auch mich- zum Singen brachte. Herr Rohpeter war für uns damals das, was heute cool ist. Er kam frisch von der Uni, hatte seine Gitarre und damals viele ‚Mundorgeln’ dabei.
HeimatSingen mit der Mundorgel
Falls Sie zur Generation YZ gehören: Die Mundorgel war kein Instrument, sondern ein damals weit verbreitetes rotes Büchlein. Es enthielt die gesamte Palette deutschen Liedguts, in Text und Noten. Anfangs zaghaft, doch dann mit immer mehr Freude schmetterten wir Dutzende von Liedern zwischen „Kein Schöner Land in dieser Zeit“ bis hin zu „Wir lagen vor Madagaskar“. Musikunterricht, der  Spaß machte.
Der Spaß und die Sangesfreude gingen dann spätestens mit der Pubertät verloren. Denn nun waren diese Volkslieder out. Nicht nur wegen der zahlreichen Hitparaden mit Rock, Pop und Blues um uns herum.

Vereinnahmt vom Nationalsozialismus
Auf einmal war jedes Singen für uns  mit Scham belegt.  Wir wussten es irgendwie, auch wenn niemand es direkt gesagt hatte … diese Volkslieder waren auch das Sangesgut der Nazis und ihrer Hitlerjugend. Deutschsein war fortan peinlich.

Anti-Rassismus und Deutsch-Sein
Ein Sprung ins Jahr 1990. Ich hatte mittlerweile schon einiges von der Welt gesehen und meine deutsche Sozialisation im Außen gespiegelt. Und dabei Menschen in vielen Kulturen als Freunde gewonnen. Deutschland war gerade wieder vereint und ein neuer Rassismus begann, sich breitzumachen.
So kam es, dass ich kurz vorm ersten Jahrestag der Wiedervereinigung an einem Anti-Rassismus-Training teilnahm. Mit mir zwölf weitere weiße Deutsche, wir alle wollten etwas tun – doch was und wie? Unsere holländischen Trainerinnen,  geschult in allen Formen der Diskriminierung, schickten uns zu Beginn völlig überraschend:
auf eine Reise zu uns selbst.
Denn ohne kraftvolle Identität keine Stärke gegen Diskriminierung, so ihr Credo. Also erforschten wir das Deutsche in uns, in unserer Umgebung, deutsche Werte, was wir schätzten – acht Stunden am Tag.
Am Feierabend saßen wir bei Wein und Bier in unserm Bildungsheim mitten auf dem Land, als mir plötzlich eine Mundorgel in die Hand fiel. Und dann passierte, was ich kurz zuvor noch für völlig unmöglich gehalten hätte: Eine Runde fortschrittlicher und aufgeklärter Deutscher  um die dreißig sang sich mit wachsender Begeisterung zwei Stunden lang durch das deutsche Liedgut. Mit nachhaltig befreiender Wirkung, für Kopf und Herz. Denn nicht die Musik war schlecht, nicht die Gefühle von Zugehörigkeit waren es – schlecht waren die Absichten und der Kontext, in dem deutsche Traditionals jahrelang missbraucht worden waren.

Heimatgesang 2016 ? Total global
Und wie klingt Heimat 2016?
Viel hat sich getan. Mit der wachsenden Zuwanderung, mit Globalisierung und WM ist auch die Sangesfreude zurück gekehrt. Das Hoch auf uns, den WM Hit 2014, haben wir Andreas Bourani, einem Sänger nordafrikanischer Herkunft zu verdanken.  Und das ist kein Einzelfall, häufig sind es Menschen aus anderen Kulturen, die uns zum Singen bringen.
the sound oif Heimat TRI1607Und die Jüngeren kennen sowieso immer weniger Schranken, es wird gemixt, Fusions allover, und auch deutsche Texte halten Einzug in alle Genres.
Und mit ihnen das, was uns allen gut tut: Heimat in der Kultur. Nur dass es heute eine Kultur des Einschlusses ist.

Petra Sorge dos Santos

Wie das klingt, hören Sie in der Juli-Ausgabe von Radio Triangula: The Sound of Heimat. Mit Musik u.a. von den Beginnern, Dubtari, Stefan Gwildis und Hafennacht e.V.

Wer führt? Wenn nicht Sie!

Mit neuem Schwung in die Arbeitswelt
– Workshop für Frauen

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Digitale Transformation, Social Media und Augenhöhe sind nur ein paar Stichworte der Arbeitswelt 4.0.  Deutsche Unternehmen vollziehen diesen Wandel nur langsam und beklagen weiterhin den Fachkräftemangel. Während die Lösung eigentlich vor ihren Augen liegt.

©Petra Sorge dios Santos
©Petra Sorge dios Santos

Frauen, besonders Frauen mit mehrkulturellem Background, Wiedereinsteigerinnen und Frauen 50+ werden von Arbeitgebern unterschätzt und gern  übersehen. Zeit, die eigene Karriere selbst in die Hand zu nehmen!

Mit einem neuen Ansatz, der Theorie U, entwickelt von Otto Scharmer am MIT, werden wir den zukünftigen Arbeitsmarkt erforschen. In dem 6stündigen Workshop  spüren wir zugleich bisher unterbelichtete Kompetenzen auf und jede Teilnehmerin entwickelt ein kleines Pilotprojekt

Dieser einmaligeWorkshop  findet nur im Rahmen der Frauenwoche in Hamburg statt. Am DO 10.3.. Und ist ein besonderes Angebot der Beauftragten für Chancengleichheit der Arbeitsagentur zusammen mit CL!C Connecting.

Bei verbindlicher Anmeldung ist die Teilnahme kostenfrei.
Anmeldung: contact@clic-interculture.com

Mehr Infos: Frauen Workshop_ Wer führt, wenn nicht Sie?10.3.16

Ich bin, weil Du bist – Ubuntu

Mein globaler Alltag – Kolumne
Petra Sorge dos Santos

‘Realität existiert erst, wenn sie wahrgenommen wird.’ Diese Erkenntnis ging vor kurzem als wissenschaftliche Sensation durch die Presse. Nach aufwendiger Überprüfung der Einsteinschen Relativitätstheorie.
Mich hat der Gedanke der Interdependenz nicht so überrascht und sofort erinnert. In Afrika ist das ein altes Wissen und heißt: “Ich bin, weil du bist”. Ubuntu.

Mit diesem Leitwort seines Schirmherrn aus Burkina Faso ging vor kurzem auch das 4. Filmfest “Augenblicke Afrika” in Hamburg zu Ende. Für mich wurde es zu einer gleich mehrfachen Erfahrung in Ubuntu.

Afrikas Sterne sind Sonnen
affiche_soleilsZuvörderst hat es mir ermöglicht, den Filmemacher Dani Kouyaté kennenzulernen. In seinem wunderbaren Film “Soleils” spricht er im Plural über das uns regierende Himmelsgestirn. Die Sonnen sind für den Nachkommen einer Dynastie von Geschichte(n)Erzählern das, was bei uns Sterne wie auch ‘Stars’ sind. Die Sonnen Afrikas – Afrikaner, die in ihrer Zeit leuchtende Vorbilder waren, an Weisheit, Menschlichkeit und politischer Klugheit. Von König Sundjata Keita  bis zu Nelson Mandela.
Auf der Suche nach Identität besucht seine zeitreisende Protagonistin auch die europäischen ‘Sonnen’ Hegel und Voltaire. Gerade als diese  europäischen Philosophen sich in Vorurteilen verfingen und, wie wir wissen, diese für die Nachwelt für immer perpetuierten. Zu diesem Zeitpunkt also, waren, was kaum einer weiß, die ersten  universellen Menschenrechte  im Mande-Reich schon seit fünf Jahrhunderten deklariert. Es gibt also viel zu lernen.

Ubuntu ist multidimensional
Das Gespräch mit dem modernen Griot Dani Kouayte war eine Fundgrube an Erleuchtung über menschliche Interdependenz, Führung und Kooperation. Merci.
Ebenfalls danken möchte ich den Machern dieses Festivals. Ohne sie hätte ich diese Erfahrung nicht gemacht. Ubuntu

Apropos Macher, Ubuntu hat viele Dimensionen. Der deutsche Initiator des Filmfests hatte früher schon mit Afrika zu tun. Als solcher war er mir bereits vor über einem Jahrzehnt aufgefallen.  Damals lud ich ihn zu meinem Radio Triangula ein, wir hörten und sprachen über westafrikanische Musik. Und kurz danach fand die Weltmusikmesse WOMEX 2004 in Essen statt, zu der ich ihm via Radio Triangula Eintritt verschaffte. Als damals noch angehender Videofilmer westafrikanischer Musik machte er dort seine ersten Filmkontakte.  “Du bist, weil ich bin”. Diese Geschichte hätte ich fast schon vergessen, wenn ich nicht 1x jährlich einen Brief der WOMEX  auf seinen Namen in meiner Post fände… Ubuntu ist reziprok, multidimensional.

Ubuntu in Führung
Und weil Ubuntu viele Facetten hat, sollte jeder, der mit Afrika zu tun hat oder haben möchte, sich mit dieser Philosophie vertraut machen:
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Für Führungskräfte würde diese Fähigkeit, diese Haltung  auch im individuell geprägten Deutschland so manches Problem beim Zusammenarbeiten lösen.
Auch als Land stünde uns diese (An)Erkenntnis  gerade jetzt in Zeiten konflikthafter  Globalisierung gut an: Wir sind, weil ihr seid.

Mehr über Kulturstandards und Praxis in Afrika sowie über deutsch-afrikanische Kooperationen für die Geschäftswelt hier bei CL!C.

Das Interview mit Dani Kouyaté hören Sie bei Radio Triangula Nov 15. Stay tuned.

PS: Als Goodie hier der Trailer zu dem zitierten Film Soleils

 

 

 

Frauen und die Macht der Sprache: A Presidenta

Mein Globaler Alltag 7 – Kolumne
Petra Sorge dos Santos

Neulich hatte unser Honorarkonsul zum brasilianischen Unabhängigkeitstag geladen. Und da spielte Sprache plötzlich eine Rolle.

Amtsantritt einer Präsidentin - Dilma Rousseff mit Tochter und Leibwächterinnen in Brasilien
Amtsantritt einer Präsidentin – Dilma Rousseff mit Tochter und Leibwächterinnen in Brasilien

Mitten in einem Gespräch über Frauen im brasilianischen Bürgerrat traf mich quer von der Seite eine Belehrung. Eine junge Brasilianerin versuchte, mich zu korrigieren.  Brasiliens Presidenta Dilma Rousseff  müsse richtig “O Presidente” heißen. Die maskuline Form sei schließlich die allgemeine Form für das Präsidentenamt. Meine Antwort, dass selbst das brasilianische Präsidialamt offiziell von “a presidenta“, der Präsidentin, spricht und schreibt, war in ihren Augen kein Argument.
Da dies kein Einzelfall ist, aber doch bemerkenswert, greife ich jetzt mal in die Tastatur.

Wer würde heute in Deutschland beim Auftritt von Angela Merkel noch sagen “es spricht der Kanzler“? Richtig, vielleicht noch ein paar Ewiggestrige. Frau Merkel ist die Staatenlenkerin Deutschlands und laut Wirtschaftsmagazin Forbes die mächtigste Frau der Welt. Sie verdient eine Bezeichnung, hinter der die Frau sich nicht verstecken muß. Doch nicht nur sie.
Auf meinem Zertifikat der Universität Hamburg heißt es noch “Diplom-Pädagoge”. Damit hab ich mich wie viele andere meiner Generation schon 1981 nicht mehr gemeint gefühlt. Das Primat der Subsumierung von Frauen in der männlichen Berufsbezeichnung ist eine lange, auch deutsche Tradition. Und die hat sich nicht von selbst verändert.

Sprache reflektiert gesellschaftliche Veränderungen.
Damit unterliegt sie selbst dem Wandel.

Von “Vaterland.Muttersprache“,  “Übung macht die Meisterin” bis hin zur “Geschlechtersymmetrie” –  die Reflektion von ‘Frauensprache-Männersprache‘ schüttelt Deutschland in Linguistik und Gesellschaft seit Beginn der 80er Jahre. In Brasilien ging es zur gleichen Zeit  um Demokratisierung nach einer langen Diktatur. Die harten Fakten (Existenzsicherung) kamen meist vor den weichen (Diskriminierung in und Exklusion durch Sprache). Dennoch wurde ich während vieler Beratungseinsätze in Brasilien schon in den 90ern Zeugin der Femininisierung des Brasilianisch.  Verständlich, dass Veränderungen wie die Sichtbarmachung von Frauen in der Sprache, zunächst von einzelnen initiiert werden.  Dann werden es immer größere Gruppen, erst danach beginnen Organisationen und Institutionen Sprachänderungen zu übernehmen. Bis zur Anerkennung im Sprach-TÜV, dem deutschen Duden oder dem brasilianischen Aurelio, vergehen allerdings schon mal Jahrzehnte.

Sprache zeigt Haltung

Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat Brasiliens Präsidentin, Dilma Rousseff, 2013 zur drittmächtigsten Frau der Welt gekürt. Umso bemerkenswerter finde ich das Beispiel der jungen Frau:  vielleicht eine Studentin, womöglich sogar Stipendiatin des Programms, das von Präsidentin Dilma initiiert wurde. Was für ein Paradox, vor mir eine junge Brasilianerin in Deutschland, die für ihre eigene Abkoppelung vom Fortschritt kämpft – sollte ich lachen oder weinen?

Denn sie repräsentiert das junge Brasilien, eine dynamische Generation, die auch in Deutschland etwas bewirken könnte.  Im Gespräch reflektiert ihre Haltung nur das alte Mindset.  Die immer noch starke Definitionsmacht einer kleinen männlichen Elite in einem sich rasant modernisierendem Land. Dabei ist die Mehrheit der 200 Millionen Brasilianer weiblich und jung 1).  Sollte Sprache das nicht widerspiegeln dürfen – oder sogar müssen?

Zugegeben, Brasilien ist komplex und eine Gesllschaft mit äußerst vielen Widersprüchen. Wieviel könnte die junge Frau von ihrem Aufenthalt profitieren, wäre sie beweglich im Kopf.  Was für ein einmaliges Privileg, Perspektiven zu wechseln und aus dem fruchtbaren Aufeinandertreffen der Kulturen zu lernen!
Doch das geht nicht ohne bewußte Entwicklung der eigenen Kompetenz zwischen den Kulturen. Als Botschafterin 2) des aktuellen Brasiliens, die auch sie, gewollt oder ungewollt, ist.
Vielleicht hat es der jungen Frau aber auch nur an acesso, an Zugang zu Informationen, Zugang zu Veränderungen in ihrem Land gefehlt… Se atualize, mulher! würde ich am liebsten sagen.

Wie sprechen wir Vielfalt und Inklusion?

Als Frau mit viel Erfahrung und Reflexion zwischen Brasilien und Deutschland weiß ich, dass Kommentaren von Nicht-BrasilianerInnen zur ‘Terra Mãe’  zunächst oft mit Misstrauen begegnet wird. Entendo.
Wer mich kennt, schätzt meine Lösungsorientierung, der ich auch als Coach verpflichtet bin. Deshalb kommt hier die brasilianische Antwort. Geeignet zugleich für den Conselho de Cidadania de Hamburgo in der Vorbereitung auf den bevorstehenden Kongreß zu Genderfragen in Brasilia.

Manual Linguagem nao sexistaDas Handbuch, dass nun auch offizell Abhilfe schafft: O “Manual para o Uso não Sexista da Linguagem”, der 112seitige Leitfaden zum nichtsexistischen Gebrauch der Sprache, wurde von der Regierung des Bundesstaats Rio Grande do Sul veröffentlicht.
Unser Thema wird dort ausführlich in Kapitel 6 behandelt – Berufe, die von Frauen ausgeübt werden. Und dort heißt es natürlich “a presidenta”.  Wie auch:

“Der Widerstand gegen die Verweiblichung von Berufen oder Ämtern basiert niemals auf rein linguistischen Argumenten, …, Sprachen sind üblicherweise generös, … die Riegel sind ideologisch.”

Wie halten Sie es mit den weiblichen Formen unserer Sprache?

Petra Sorge dos Santos arbeitet als Brasil International Coach mit Professionals aus Deutschland, Brasilien, Portugal und Angola. Die studierte Berufsbildnerin trainiert nicht nur männliche Führungskräfte zu Diversity. Cultures ChangeAnm 1+2 Blog1 presidenta Leadership – CL!C

Solutions für Entscheider mit Weitblick

Kongress für Digitalisierung, Business und IT
9.-11. September Hamburg

Heute schon Lösungen für die Herausforderungen von morgen verspricht Patrick Postel vom Veranstalter Silpion. IT-Experten sind heutzutage viel mehr als nur die alten Programmierer. Da sie an den Schnittstellen der Wirtschaft arbeiten, haben sie ein umfassendes Business-Know-How und sind zugleich die Treiber neuer vernetzter Kooperationen. Gehören Sie zu den Führungskräften, die dennoch denken “IT – keine Zeit, dafür hab ich meine Mitarbeiter”?

Gute Führung ist die, die sich vorausschauend Zeit nimmt für das, was wichtig ist. Sagt nicht nur Stephen Covey, Vordenker des Zeitmanagements. Sie können  eine besondere Chance nutzen.
solutions w HarbourHHDenn der Kongress versammelt die innovativsten Sprecher ihres Fachs und ist mehr als eine hochkarätige Fortbildung. Er bringt branchenübergreifend Vertreter von 8 Wirtschaftsclustern, Unternehmer, Gründer und Forscher zusammen. Für Networking gibt es verschiedene Formate.

Ausserdem: Wenn Ihr Unternehmen in Hamburg angesiedelt ist, kennen Sie Smart City und smartPORT  vielleicht vom Hörensagen? Auf der Solutions werden die Konzepte, die auch Ihrem Unternehmen neue Perspektiven eröffnen, zum ersten Mal umfassend vorgestellt.

Die Solutions beginnt am Mittwoch 9.9. mit dem kostenfreien Mittelstandstag. Der zweitägige IT-Fachkongress, der sogenannte wissens.raum, findet im Anschluss statt und endet am 11.9. mit dem legendären Silpion-Sommerfest.  Dieses, Kontaktbörse, Matchmaking sowie Getränke und Essen  sind ebenfalls im Preis enthalten.

Interessiert? Die gute Nachricht zum Schluss: Als Botschafterin der Solutions  kann ich Ihnen einen Nachlass auf den Eintrittspreis weitergeben. Bitte schicken Sie mir dafür eine E-Mail

Ich freue mich, Sie auf der Solutions persönlich zu begrüßen!*

Petra Sorge dos Santos
Botschafterin der Solutions
CL!C – Coaching in a Changing World
contact@clic-interculture.com

* falls Sie keine Chance auf Teilnahme sehen, begrüße ich natürlich gern auch Ihre Mitarbeiter!

Frauen in Führung – auch damals schon

Stadt der Frauen – eine Learning Journey

Immer mehr Frauen kommen in Deutschland in Führung. Doch weibliche Vorbilder und Identifikationsfiguren sind nach wie vor wenig bekannt.
Wussten Sie, dass es für Frauen in Führung grosse Role-Models in der deutschen Geschichte gibt? Was hieß es zum Beispiel

  • als junge Osmanin und erste Kaiserin Deutschland nachhaltig zu prägen?
  • im Mittelalter als erste Frau in Deutschland zu schriftstellern?
  • Kultursponsoring für ein Frauenstift erfolgreich zu ‘handlen’?

Titelfoto Flyer 60Theophanu, Roswitha und Ernestine  – es gibt einen Ort, an dem sich die Wege  dieser drei Frauen kreuzen: Gandersheim
Fast 1000 Jahre waren Frauen in dieser heute noch malerischen Kleinstadt in Führung.

Wollen Sie die Learnings fürs 21. Jahrhundert mitnehmen?
Dann kommen Sie mit auf die erste Entdeckungsreise für Frauen in Führung. Verbinden Sie Lernen mit Austausch und Genuss.

Anmeldung

Petra Sorge dos Santos
Business-Coach, Frauen international in Führung

Review in Pictures: Economic Meeting GER – BR 2014

#GBEM14 Encontro Econômico Brasil-Alemanha 2014/Deutsch-Brasilianische Wirtschaftstage 2014
Hamburg, Foto – Gallery

Global Player

Mein Globaler Alltag 7 – Kolumne
Petra Sorge dos Santos

Von den Besten lernen“ – das ist lange schon die Richtschnur in meiner Branche, dem Coaching und Training. Doch wer sind die besten, wenn es um die Fähigkeit, mit Menschen aus aller Welt erfolgreich zu kommunizieren, wenn es um Globale Kompetenz geht?

Klassische Orte, um globale Experten zu treffen, zu erleben und kennenzulernen, sind sicherlich Konferenzen und Fachmessen. Auch ich bin dort regelmäßig. Gemäß meiner Profession sind es Personalmessen, weltweite Industrie- und Computermessen, Ländertagungen oder internationale Konferenzen. Regelmäßige Hörer/LeserInnen kennen den einen oder anderen meiner Berichte…

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WOMEX Rotterdam 2001

Doch meine Vorbilder für Globale Kompetenz, die habe ich in einem anderen Genre gefunden. Und zwar als ich zusammen mit rund 2000 Menschen aus über fünfzig Ländern die WOMEX besuchte. Aussteller, Musiker, Fachbesucher und Journalisten trafen sich bei der Worldmusic Exposition. Das war 2001 in Rotterdam.
Die Luft schwirrte mit mehr als zwanzig Sprachen, aus jeder Ecke klang ein anderer Musikstil – Reggae aus dem Südindischen Ozean, Rumba aus dem Congo, oder Ska aus Cuba. Diversity, die einem fast den Atem verschlug. Doch erstaunlicherweise wurde nicht gefremdelt. Gehalten wurde das Ganze
von einem Wir, einer gemeinsamen Identität. Und das war das Beeindruckende: ohne dass jemand sie verordnet, angekündigt oder beschworen hätte, war sie einfach da, die WOMEX-Identität.

Egal, ob ich eine kapverdische Sängerin aus Lissabon, Messe-Veranstalter aus Recife oder einen Kora-Spieler aus Mali getroffen habe, die Gespräche lebten von Offenheit, Neugier und etwas, was in Deutschland auch heute noch neu ist, Connectivity. Der Fähigkeit, das Gemeinsame zu suchen und zu finden. Dank einer großartigen Flexibilität bei Organisationsteam und Künstlern gelang es mir, zusätzliche Interviews spontan zu führen. Beides, connectivity wie Flexibilität sind Skills, die die globale Kommunikation extrem erleichtern. Diese Teilnehmer mussten darin nicht erst trainiert werden. Die universelle Sprache der Musik machte es möglich.
Wenn ich also heute an die Besten denke, an Menschen, die global denken und handeln, an die Avantgarde einer kulturübergreifenden Community, dann sind es die WeltMusiker und ihre Unterstützer. Wahre Global Player für eine Veränderung, die wir alle brauchen.
Mein Tipp: Halten Sie Ihre Ohren offen.

Mehr über globale Identität und kulturübergreifende Kommunikation bei CL!C. Mehr Global sounds bei Radio Triangula. Stay tuned.

We catalyze your Global Success