Category Archives: women

Neue Schwesterlichkeit in gewalt-igen Zeiten

One Billion Rising – Meine Rede auf dem Rathausmarkt, Hamburg 14.2.2017

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“The times, they are a changing.  Heute tanzen Hunderte auf dem Rathausmarkt und Millionen in aller Welt. Gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Öffentlich.

Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum

1986 haben wir noch in geschlossenen Räumen getanzt. Auf einem Frauenfest im Rahmen der Hamburger Frauenwoche. Das war ziemlich neu. Damals ganz neu war die Reaktion darauf, denn vor der Tür wurden meine Freundinnen und ich mit Waffen empfangen. Rechte Gewalttäter waren auch vor dreißig Jahren schon aktiv, neu war, dass Neonazis Feministinnen öffentlich ins Visier nahmen. Altbekannt wiederum war die nachfolgende Reaktion der Hamburger Polizei: Nicht ernst nehmen, uns Opfer wie Täterinnen behandeln, Runterspielen, das volle Programm, das änderte sich erst als Waffen im Kofferraum der Täter und Projektile in der Wand der Mensa gefunden wurden.  Doch auch von der Justiz hatten wir Frauen nicht viel zu erwarten, drei junge Männer wurden frei gesprochen und einer wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu Sozialarbeit verurteilt…

Nach erfolgreicher Veränderung kommt der Rollback

30 Jahre bewegter Frauen haben viel verändert, wahrhaftig!  Wir haben eine junge Vize-Bürgermeisterin , die meisten von uns haben einen guten Beruf –und Kinder, viele haben ihr eigenes kleines Business, einige sind in der Wirtschaft sogar in Führungspositionen.
Doch Misogynie ist wieder voll im Kommen. Und mit ihr all die andern Diskrimierungsformen gegen Andersliebende und LBGT, gegen ‘anders’ Aussehende,  gegen andere Herkünfte …
Und das ist nicht nur bei der AfD so. Von Frauenverachtung zu physischer Gewalt ist es kein langer Weg. Gewalt gegen Frauen ist nicht privat, sie nimmt lange schon ihren Anfang in der Öffentlichkeit. Insofern sind auch wir gemeint, wenn Kanzlerin Merkel fertig gemacht wird wie kein Mann vor ihr.  Und wenn einer, der seine Frauenverachtung ganz offen zeigt,  jetzt zum mächtigsten Mann der Welt gewählt wurde.

Was tun ?

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Petra Sorge dos Santos, Gründerin DenkTräume mit Nachfolgerin und Kolleginnen vom Landesfrauenrat

Was tun also liebe Frauen – und Männer- in diesen gewaltigen Zeiten? Ich bin stolz darauf, dass es Frauen waren, die sich jetzt als erste nachhaltig zur Wehr setzten. Frauen im Rampenlicht wie Meryl Streep und Michelle Obama. Erst recht dann der millionenfache Women’s March mit Pussy Riot am 26.Januar.  Was in Washington begann, fand in Windeseile Widerhall in aller Welt. Massen von Frauen sind von Neuseeland über Lissabon bis Berlin auf ihre Strassen gegangen.
Und was mich nachhaltig beeindruckt, die Initiative kam zwar von weißen Feministinnen, doch Muslima, Latinas, Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner, Lesben und Schwule, Schülerinnen und Stars – sie alle marschierten nebeneinander. Kurzum, die Bewegung ist global und lebensweltübergreifend. Intersectional  heißt das im Englischen.
Das Wort sollten wir uns merken! Wir müssen uns nicht dauernd von andern abgrenzen. Sisterhood ist umfassend. Da draußen sind wir viele, die sich sichtbar machen, Gehör verschaffen, kreativ werden. Wir können andocken.

Der 8. März steht schon vor der Tür, in Argentinien, Polen, Brasilien und den USA haben Frauen zu einem weltweiten Streiktag aufgerufen. In Deutschland sind wir noch nicht so weit, aber in Hamburg gehen wir wieder auf die Straße.

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“Break the Chain” Tanz zur Hymne des OBR auf dem Hamburger Rathausmarkt

Rise!
Für alle, die mich nicht kennen: Ich bin Petra Sorge dos Santos,
in den 80ern Gründerin des Frauenbildungszentrums DenkTräume, Mitglied  von „Frauen lachen gemeinsam“, dem ersten feministischen Kabarett, als Globalista Wegbereiterin des Global Tent for Women auf der ECO 92 in Rio, bei Radio Triangula mit einem weiblichen Ohr zur Welt und  seit neuestem Initiatorin von I WiLL, einem Lernprogramm on- und offline, das globale Frauen in Führung bringt

Viele Kulturen, die kommen auch bei One Billion Rising  zusammen. Denn global war diese Bewegung von Anfang an. Jetzt braucht es nur noch sektionsübergreifender zu werden.
Das Schöne ist, es geht um mehr als Protest, es geht um Vielheit in uns und  wie gut uns dieser Event tut. Liebe Frauen, deshalb zum Abschluß ein Zitat von Alice Walker:

‘Wir denken, das Wichtigste sei, geliebt zu werden, doch das Wichtigste ist, dass wir uns selbst lieben. Und Tanz ist dafür eine der schönsten Formen.’

Have Fun. In Sisterhood. One Billion Rising”

Petra Sorge dos Santos

mein Dank an Marko Landrath für die Fotos

Afrikanische UnternehmerInnen – mit Power in den deutschen Markt

The Night of African Entrepreneurs am 17.Sep 2016 in Hamburg

Events zu afrikanischem Business  waren in Hamburg traditionell weiße Veranstaltungen. Ausser den Wirtschaftsvertretern der verschiedensten afrikanischen Länder saßen früher ab und zu mal afrikanische Studenten im Saal der ehrwürdigen Handelskammer zu Hamburg. Stumm in der zweiten Reihe.
Doch schon in den letzten Jahren war der Trend zu sehen, immer mehr afrikanische Einzelunternehmer wie auch afrodeutsche Mitarbeiter internationaler Unternehmen mit Business in Afrika brachten Vielfalt in das hanseatische Publikum.

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Lichthof –  Claudia Voß AV + Miranda Oben  – Keynote Dr.Yves Ekoué Amaízo – women power – Yolander James

Jetzt standen sie selbst im Mittelpunkt. Auf Initiative des Lokalpolitikers Clement Klutse (Initiative Einwanderer Unternehmener) hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit dem Afrika-Verein zu “The Night of African Entrepreneurs”  geladen. Gut besucht von TeilnehmerInnen der verschiedenen afrikanischen Diasporas waren wir weißen Hamburger diesmal in der Minderheit.
Der Keynote Vortrag zum an sich interessanten Thema Zyklische Migration kam von Dr.Yves Ekoué Amaízo. Doch seine temporeiche Präsentation unendlich vieler Daten verlangte dem Publikum einiges ab. Da möchte frau eine afrikanische Weisheit bemühen “Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.”

Multitalentierte Businessfrauen

Dass dennoche ein frischer unternehmerischer Spirit durch  den Lichthof der Stabi wehte, war in erster Linie den Frauen zu verdanken. Sie verkörperten das, was in Deutschland wenig bekannt ist, die traditionelle Geschäftstüchtigkeit afrikanischer Frauen.

Miranda Open IT Ingenieurin, Moderatorin, Filmemacherin
Miranda Oben
IT Ingenieurin, Moderatorin, Filmemacherin

Den Auftakt machte Multitalent Miranda Oben.  Die IT Ingenieurin hat  ihre Leidenschaft nebenbei zum zweiten Standbein ausgebaut: Veranstaltungen moderieren, on und off media. In der Entrepreneurnacht stellte sie ihr Herzensprojekt vor: Ihren Dokumentarfilm “The Returnees”. Darin interviewt Miranda Oben KamerunerInnen, die aus ganz Europa in ihre Heimat zurück gekehrt sind und dort erfolgreich Business machen.

Theresa Franz GF Intertranslation, Curly Chocolate, African Translation
Theresa Franz
GF Intertranslation GmbH, Curly Chocolate GmbH, African Translation GmbH

Unübertroffen der Vortrag von Theresa Franz. Die sprachenbegabte Geschäftsführerin von Intertranslations erzählte ohne Powerpoint von ihrem Lebenslauf als Unternehmerin. Wir lernten nicht nur, wie die Nigerianerin Umsatzmillionärin wurde, über 10 Arbeitsplätze geschaffen und einem großen Netz afrikanischer Freelancer Aufträge verschafft hat –  auch erfuhren wir etwas über die Kunst, im richtigen Moment Ja zu sagen. Denn ihr Geschäftserfolg startete mit einer kleinen Anfrage: Yoruba vor Gericht übersetzen.

Dr. Rosalyn Dressman African TIDE Union e.V.
Dr. Rosalyn Dressman
African TIDE Union e.V.

Als Dritte im Bunde der multiaktiven Frauen sprach Dr. Rosalyn Dressman von African TIDE Union über ein deutsch-afrikanisches Kooperationsprojekt. Zusammen mit der FHS Südwestfalen organisiert sie im Bereich Recyclingtechnologien Train-the-Trainer in Ghana und Nigeria .  Als Consultant weiß die NGO-Aktivistin, Politik und Businesswelt zusammenzubringen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die erfrischende Moderation von Claudia Voß, der Pressesprecherin des Afrika-Vereins.
Insgesamt erfreut stelle ich fest: es bewegt sich einiges in der deutsch-afrikanischen Businesswelt. Die deutschen Player öffnen sich und die afrikanische Diaspora wartet mit viel Engagement, neuen Geschäftsideen und vor allem neuem Selbstbewußtsein auf.

Elizabeth Bosse und Petra Sorge dos Santos
Elizabeth Bosse und Petra Sorge dos Santos

Petra Sorge dos Santos
Initiatorin von I WiLL – International Women in Leadership Learning

Dieser Beitrag ist on air zu hören am 24.9. um 16h auf Radio Triangula

Frauen rockten die Solutions – schon 2015

Rückblick auf die #shh15

Die IT-Messe solutions hatte nach Hamburg geladen und viele, viele sind gekommen. Entgegen der Vorannahmen über die Männerdomäne IT war das Bild bunt, besonders am Mittelstandstag waren viele Frauen dabei.  Auch auf den Bühnen hatten sie was zu sagen. Und nicht nur das: sie hatten viele wegweisende Solutions. Hier drei Eindrücke.

Best Practices im digitalen Business

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Heidrun Köhlert – Inken Arntzen – Ivana Tzschoppe

Den Start machte Inken Arntzen von den Digital Media Women, die sich explizit die Sichtbarkeit von Frauen und ihrer Kompetenz in der ICT Branche zum Ziel gesetzt haben. Die gelernte Marketingfrau machte uns unterhaltsam schlau in einer der aktuellen Königsdisziplinen: dem Networking.

Medienfachfrau Heidrun Köhlert führte uns ein in die Youtubisierung  der Businesswelt. Nicht unreflektiert auf den Hype aufspringen, heißt ihr Tipp. An einem Beispiel aus dem Mittelstand zeigte sie,  dass es gar nicht die aufwendigen Schauspielerproduktionen sein müssen. Authentizität ist das Stichwort, mit dem Chef und Mitarbeiter im Film gut rüberkommen können.

Nach den beiden Hamburger Entrepreneurinnen hat mich eine kompetente Dame aus der Corporate World überzeugt. Ivana Tzschoppe bringt die Schweizer Bahn mit Startups zusammen. Und stellte uns die Fallstricke dieser Kooperation zwischen Groß und Klein an einem charmanten Pilotprojekt vor:
Lebensmittel digital bestellen und 30 min später am Bahnhof abholen. Die pfiffige Idee, bei der sich innovative IT-Kompetenz mit großer Logistikerfahrung paart, gibt es inzwischen regulär. Der SBB Speedy Shop

Und abends? You rock!

Und am Freitagabend beeindruckte Veranstalter silpion nicht nur mit vielen kulinarischen Köstlichkeiten, dem Schminkstand für Damen und Herren  sowie  cooler Plauder- und Partyathmosphäre. Den Höhepunkt des legendären Silpion-Fests machte die hauseigene Band. Die Mitarbeiter ließen es richtig rocken. Allen voran wieder eine Frau:  Business Development-Strategin und Sängerin Birgit Knapp.silpion-Fest: Partytimesilpion-Fest: Partytime

Und jetzt gibt’s schon die neue solutions. Mal sehen, womit Frauen 2016 aufwarten.  #shh16

Petra Sorge dos Santos

Wer führt? Wenn nicht Sie!

Mit neuem Schwung in die Arbeitswelt
– Workshop für Frauen

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Digitale Transformation, Social Media und Augenhöhe sind nur ein paar Stichworte der Arbeitswelt 4.0.  Deutsche Unternehmen vollziehen diesen Wandel nur langsam und beklagen weiterhin den Fachkräftemangel. Während die Lösung eigentlich vor ihren Augen liegt.

©Petra Sorge dios Santos
©Petra Sorge dios Santos

Frauen, besonders Frauen mit mehrkulturellem Background, Wiedereinsteigerinnen und Frauen 50+ werden von Arbeitgebern unterschätzt und gern  übersehen. Zeit, die eigene Karriere selbst in die Hand zu nehmen!

Mit einem neuen Ansatz, der Theorie U, entwickelt von Otto Scharmer am MIT, werden wir den zukünftigen Arbeitsmarkt erforschen. In dem 6stündigen Workshop  spüren wir zugleich bisher unterbelichtete Kompetenzen auf und jede Teilnehmerin entwickelt ein kleines Pilotprojekt

Dieser einmaligeWorkshop  findet nur im Rahmen der Frauenwoche in Hamburg statt. Am DO 10.3.. Und ist ein besonderes Angebot der Beauftragten für Chancengleichheit der Arbeitsagentur zusammen mit CL!C Connecting.

Bei verbindlicher Anmeldung ist die Teilnahme kostenfrei.
Anmeldung: contact@clic-interculture.com

Mehr Infos: Frauen Workshop_ Wer führt, wenn nicht Sie?10.3.16