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The Sound of Heimat

Heimatgesang
Es war unterm Kastanienbaum auf einem Schulhof in Köln, als unser Klassenlehrer seine 2a  -und damit auch mich- zum Singen brachte. Herr Rohpeter war für uns damals das, was heute cool ist. Er kam frisch von der Uni, hatte seine Gitarre und viele ‚Mundorgeln’ dabei.
HeimatSingen mit der Mundorgel
Falls Du zur Generation YZ gehörst: Die Mundorgel war kein Instrument, sondern ein damals weit verbreitetes rotes Büchlein. Es enthielt die gesamte Palette deutschen Liedguts, in Text und Noten. Anfangs zaghaft, doch dann mit immer mehr Freude schmetterten wir zur Gitarre Dutzende von Liedern, von  „Kein Schöner Land in dieser Zeit“ bis hin zu „Im Frühtau zu Berge“.  Das war Musikunterricht, der  Spaß machte.
Der Spaß und die Sangesfreude gingen dann spätestens mit der Pubertät verloren. Denn nun waren diese Volkslieder out. Nicht nur wegen der zahlreichen Hitparaden mit Rock, Pop und Blues um uns herum.

Vereinnahmt vom Nationalsozialismus
Auf einmal war jedes Singen für uns  mit Scham belegt.  Wir wussten es irgendwie, auch wenn niemand es direkt gesagt hatte … diese Volkslieder waren auch das Sangesgut der Nazis und ihrer Hitlerjugend. Deutsch-Sein war fortan peinlich.
Einer der Outcomes für die 68er und die Generationen nach ihnen war, den Begriff ‘Heimat’ und damit auch das Belonging rechts liegen zu lassen.

Anti-Rassismus und Deutsch-Sein
Ein Sprung ins Jahr 1990. Mittlerweile hatte ich schon einiges von der Welt gesehen und meine deutsche Sozialisation im Außen gespiegelt. Und dabei Menschen in verschiedenen Kulturen als Freunde gewonnen.  Die mauer war gefallen , und in Deutschland begann ein neuer Rassismus, sich breitzumachen.
So kam es, dass ich kurz vorm ersten Tag der deutschen Einheit  an einem Anti-Rassismus-Training teilnahm. Mit mir zwölf weitere weiße Deutsche, wir alle wollten etwas tun – doch was und wie?
Unsere holländischen Trainerinnen,  erfahren  in allen Formen der Diskriminierung, schickten uns zu Beginn völlig überraschend: auf eine Reise zu uns selbst. Denn ohne geklärte Identität keine Stärke gegen Diskriminierung, so ihr Credo. Also erforschten wir das Deutsche in uns, in unserer Umgebung, deutsche Werte, was wir schätzten – einen ganzen Tag lang.

Am Feierabend saßen wir bei Wein und Bier in unserm Bildungsheim mitten auf dem Land, als mir plötzlich eine Mundorgel in die Hand fiel. Und dann passierte, was ich kurz zuvor noch für völlig unmöglich gehalten hätte: Eine Runde fortschrittlicher und aufgeklärter Deutscher um die dreißig sang sich mit wachsender Begeisterung eine Stunde lang durch das deutsche Liedgut. Mit nachhaltig befreiender Wirkung, für Kopf und Herz.
Denn nicht die Musik war schlecht, nicht die Gefühle von Zugehörigkeit waren es – es waren die Absichten und der Kontext, in dem deutsche Traditionals jahrelang für Brainwashing missbraucht worden waren.

Heimatgesang 2016 ? Total global
Und wie klingt Heimat 2016?
Viel hat sich getan. Mit der wachsenden Zuwanderung, mit Globalisierung und WM ist auch die Sangesfreude zurück gekehrt. Das ‘Hoch auf uns’, den WM Hit 2014, haben wir Andreas Bourani, einem Sänger mit nordafrikanischem Background zu verdanken.  Und das ist kein Einzelfall, häufig sind es Menschen aus anderen Kulturen, die uns zum Singen bringen.
the sound oif Heimat TRI1607Und die Jüngeren, sie kennen sowieso immer weniger Schranken, es wird gemixt, Fusions allover, inklusive deutscher Texte quer durch die Genres. Und mit ihnen das, was uns allen gut tut:
Neue Heimat in der Kultur. Nur dass es heute eine Kultur des Einschlusses ist.

Petra Sorge dos Santos

Wie das klingt, hören Sie in der Juli-Ausgabe von Radio Triangula: The Sound of Heimat. Mit Musik u.a. von den Beginnern, Dubtari, Stefan Gwildis und Hafennacht e.V.

Global Player

Mein Globaler Alltag 7 – Kolumne
Petra Sorge dos Santos

Von den Besten lernen“ – das ist lange schon die Richtschnur in meiner Branche, dem Coaching und Training. Doch wer sind die besten, wenn es um die Fähigkeit, mit Menschen aus aller Welt erfolgreich zu kommunizieren, wenn es um Globale Kompetenz geht?

Klassische Orte, um globale Experten zu treffen, zu erleben und kennenzulernen, sind sicherlich Konferenzen und Fachmessen. Auch ich bin dort regelmäßig. Gemäß meiner Profession sind es Personalmessen, weltweite Industrie- und Computermessen, Ländertagungen oder internationale Konferenzen. Regelmäßige Hörer/LeserInnen kennen den einen oder anderen meiner Berichte…

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WOMEX Rotterdam 2001

Doch meine Vorbilder für Globale Kompetenz, die habe ich in einem anderen Genre gefunden. Und zwar als ich zusammen mit rund 2000 Menschen aus über fünfzig Ländern die WOMEX besuchte. Aussteller, Musiker, Fachbesucher und Journalisten trafen sich bei der Worldmusic Exposition. Das war 2001 in Rotterdam.
Die Luft schwirrte mit mehr als zwanzig Sprachen, aus jeder Ecke klang ein anderer Musikstil – Reggae aus dem Südindischen Ozean, Rumba aus dem Congo, oder Ska aus Cuba. Diversity, die einem fast den Atem verschlug. Doch erstaunlicherweise wurde nicht gefremdelt. Gehalten wurde das Ganze
von einem Wir, einer gemeinsamen Identität. Und das war das Beeindruckende: ohne dass jemand sie verordnet, angekündigt oder beschworen hätte, war sie einfach da, die WOMEX-Identität.

Egal, ob ich eine kapverdische Sängerin aus Lissabon, Messe-Veranstalter aus Recife oder einen Kora-Spieler aus Mali getroffen habe, die Gespräche lebten von Offenheit, Neugier und etwas, was in Deutschland auch heute noch neu ist, Connectivity. Der Fähigkeit, das Gemeinsame zu suchen und zu finden. Dank einer großartigen Flexibilität bei Organisationsteam und Künstlern gelang es mir, zusätzliche Interviews spontan zu führen. Beides, connectivity wie Flexibilität sind Skills, die die globale Kommunikation extrem erleichtern. Diese Teilnehmer mussten darin nicht erst trainiert werden. Die universelle Sprache der Musik machte es möglich.
Wenn ich also heute an die Besten denke, an Menschen, die global denken und handeln, an die Avantgarde einer kulturübergreifenden Community, dann sind es die WeltMusiker und ihre Unterstützer. Wahre Global Player für eine Veränderung, die wir alle brauchen.
Mein Tipp: Halten Sie Ihre Ohren offen.

Mehr über globale Identität und kulturübergreifende Kommunikation bei CL!C. Mehr Global sounds bei Radio Triangula. Stay tuned.

Mesa Redonda – Estratégias como conquistar o desconhecido

MR 1411Para facilitar o nosso entendimento global

O português é a 6ª língua mais falada do mundo; desde o Brasil, passando por Angola e até Macau, em quatro continentes.
Na cidade hanseática de Hamburgo o português é falado quase exclusivamente nos círculos próprios. Uma vez que o CL!C costuma reunir pessoas de diferentes culturas, Petra Sorge dos Santos criou há quatro anos a Mesa Redonda com suas reflexões interculturais.

Reflexões Interculturais – sempre na 2a quarta

Em tempos de globalização, a CL!C promove troca e reflexão. A Mesa Redonda reúne aqueles e aquelas que falam e trabalham com o português. A troca tem o seu foco tanto na experiência comum como nas maneiras e nos significados diferentes.

Foco em novembro:
Conquistando o desconhecido – estratégias

12.11.14 Mesa Redonda das 19 ás 21hs
Taxa de participação:   €12
CVJM Bistro
An der Alster 40, 20099 Hamburg
inscrição via info@clic-interculture.com